An dieser Stelle möchten wir uns einmal all denen vorstellen, die den Junggesellenverein (noch) nicht kennen:

Wir sind ein Verein, dessen z. Zt. ca. 200 Mitglieder - wie der Name schon sagt - ausnahmslos Junggesellen sind, die in Ottmarsbocholt wohnen oder aber gewohnt haben. Im Jahre 1796 wurde der Verein gegründet. Schon damals, wie heute, liegen die Hauptaktivitäten beim jährlichen Abbrennen des Osterfeuers, dem Schützenfest und dem Karneval in Ottmarsbocholt.

Ein jedes Jahr beginnt für den Verein mit dem Karneval, der vom Junggesellenverein veranstaltet wird. Viele kennen hier den Karnevalsumzug, der in Ottmarsbocholt immer eine Woche vor Rosenmontag am Sonntag durch das Dorf zieht und immer wieder mehrere tausend Zuschauer aus nah und fern anlockt. Doch der Karnevalsumzug ist nicht immer sonntags veranstaltet worden. Bis zum Jahre 1970 zog der närrische Lindwurm einen Tag später, am sog. "Blauen Montag", durch die Straßen.

Einen Tag vor dem Karnevalsumzug ziehen die Narren der sieben "Karnevalsecken", das sind Nachbarschaften des Ortes, durch das Dorf und die umliegenden Bauernschaften, um dort die "Ottmarsbocholter Karnevalszeitung - OKZ" an alle Haushalte zu verkaufen. In dieser Zeitung, die mind. seit 1930, wahrscheinlich aber schon länger gedruckt wird, werden alle lustigen Begebenheiten des Dorfes jährlich in Versform gefasst, und damit der breiten Öffentlichkeit kundgetan. Gleichzeitig werden bei den Dorfbewohnern Eier und Würste gesammelt, die an gemeinnützige Einrichtungen wie z. B. Krankenhäuser gestiftet werden. Mit dem Erlös aus den Verkauf der OKZ wird der Karneval finanziert.

War es bis Mitte der 50er Jahre dieses Jahrhunderts noch so, dass sowohl beim "Eiersammeln" als auch beim Karnevalsumzug ausschließlich Junggesellen mitwirkten, so ist seither der Karneval für alle Ottmarsbocholter offen. Veranstalter des Dorfkarnevals ist aber nach wie vor ausschließlich der Junggesellenverein.

Seit 1952 gibt es in Ottmarsbocholt einen Karnevalsprinzen, dem seit 1956 auch ein Funkenmariechen zur Seite steht. Das Prinzenpaar wird jedes Jahr reihum von den sieben Karnevalsecken gestellt, die dann auch den Prinzenwagen für den Umzug bauen. Dieser besteht traditionell fast immer aus Papierrosen.

Neben dem Karnevalsumzug veranstalten wir seit 1966 eine Prinzenproklamation. An diesem bunten Abend wird das neue Prinzenpaar mit seinem Elferrat der Öffentlichkeit präsentiert. Bis zu 700 kostümierte Narren erscheinen jährlich zu dieser Veranstaltung, bei der ein buntes Programm aus Büttenreden, Tanz- und Showeinlagen von verschiedenen Ottmarsbocholter Akteuren dargeboten wird.

Seit 1984 haben wir es uns auch zur Aufgabe gemacht, für die Senioren des Dorfes bei einem gemütlichen Nachmittag ein ansprechendes Karnevalsprogramm zu organisieren. Dieser Seniorenkarneval findet eine Woche nach dem Umzug in Ottmarsbocholt statt.

Nachdem eine Karnevalssession abgeschlossen ist, folgt im März eines jeden Jahres unsere Jahreshauptversammlung im jeweiligen Vereinslokal.

Traditionell wird am Ostersonntag von Junggesellenverein das Osterfeuer abgebrannt, das am Karfreitag von den Vereinsmitgliedern im Dorf zusammengefahren wurde. Noch bis Anfang diesen Jahrhunderts wurde das Strauchwerk hierfür am Palmsonntag gesammelt, was aber vom damaligen Pastor untersagt worden war. Daraufhin ist man dann auf den Karfreitag ausgewichen, was bis heute beibehalten wurde. Daß auf dem Osterfeuer ein als Strohpuppe nachgebauter "Judas" verbrannt wird, sorgt jährlich für Gesprächsstoff. Doch der Tradition verpflichtet, wird dieser Brauch bis heute beibehalten.

Mit dem seit 1983 durchgeführten "Ausmarsch" beginnt die jährliche Schützenfestsaison. Am 30. April wird dieses Fest mit anschließendem "Tanz in den Mai" gemeinsam von uns und der St. Johannes-Bruderschaft veranstaltet. Das jährliche Schützenfest wird eine Woche vor Beginn der Sommerferien von beiden Vereinen gemeinsam gefeiert, wobei der Schützenkönig im jährlichen Wechsel von den Vereinen gestellt wird. Beim Vogelschießen im "Dillen" dürfen nur Mitglieder des Vereins schießen, der im jeweiligen Jahr den König stellt. Das Offizierskorps wird von beiden Vereinen besetzt: Der Junggesellenverein stellt den Major und seinen Adjutanten, die Bruderschaft den Oberst mit seinem Adjutanten. Weiterhin wird vom Junggesellenverein der Fahnenschlag ausgeführt und die Jägerkompanie, eine traditionelle "Elitetruppe", gestellt. Die Regelung des gemeinsamen Schützenfestes gibt es seit 1949 und hat sich seither bestens bewährt.

Einige Wochen nach dem Schützenfest findet für die Vereinsmitglieder eine Abrechnungsversammlung statt, auf der die finanzielle Seite des vergangenen Schützenfeste besprochen wird und das nächste Schützenfest geplant wird.

Ein Jahr endet für den Junggesellenverein mit der Planung der nächsten Karnevalssession, hier mit einer Versammlung mit den Vertretern der Karnevalsecken am 11.11. und einem Frühschoppen 2-3 Wochen später, in dessen Rahmen das neue Prinzenpaar der kommenden Session vorgestellt wird.

Außer den obigen Aktivitäten ist noch zu erwähnen, dass der Junggesellenverein 1969 die Kegeldorfmeisterschaft ins Leben gerufen hat, und auch bis zum Jahr 1974 über eine Theatergruppe verfügte, die jährlich um den Jahreswechsel Theaterstücke aufgeführt hat. Weiterhin war der 1948 gegründete Spielmannszug Teil des Junggesellenvereins, ehe er sich in den 60er Jahren selbständig machte. Ebenso ist der Sportverein "SC Blau-Weiß Ottmarsbocholt", der 1996 sein 50jähriges Bestehen feierte, aus dem Junggesellenverein entstanden.